Gisi - Was ich schon immer mal sagen wollte.

Archive (gibt's noch keine)


Mittwoch, August 08, 2007

 
Wie verteilen wir das Hinschauen und Aufräumen gerecht?

Jetzt bin ich schon mit dem nettesten aller Männer zusammen, wir haben unsere erste gemeinsame Wohnung mit Aufenthalt an einem Ort, da muss ich mich der Tatsache doch endlich stellen: er ist verwöhnt und schaut nicht hin. Und ich hab mich mühsam im Lauf der Jahre von der Nicht-Hinschauerin zur Alle-Details-Seherin entwickelt. Womit ich unversehens in die Rollenaufteilung der Nörglerin-wg.-Aufräumen vs. Gutmütiger-macht-dann-mit geraten bin. Was mich sehr unzufrieden macht. Was die Lage nicht verbessert.

Letzte Woche fiel es mir aber wie Schuppen von den Augen:
Mit den eigenen Waffen schlagen!
Und nicht persönlich nehmen!
Erstens ist das die subtile Basis des Patriarchats - ich hatte nur gehofft, mit der Einzelfall-These vom verwöhnten Prinzen drum rum zu kommen.
Zweitens kann ich Sachen-fallen-und-liegen-lassen, wenn ich es mir erlaube, um Klassen besser.

Der Erkenntnisprozess ging vom Privaten (ach je, warum hat er das denn immer noch nicht gelernt?) über das Familiäre (liegt es am Vorbild unserer Eltern, dass wir drei Schwestern uns so gegen das Zuständig-Sein wehren?) zum Politischen (Mist, es geht fast allen Frauen in der Umgebung so, einigen explizit, einigen implizit, und die ausgeglichenen Paare sind die absolute Ausnahme!). So bekomme ich die Kurve dahin, es nicht persönlich zu nehmen.

Und so machen wir das Patriarchatsüberwindungsspiel:
Jeder lässt alles fallen und liegen und wer zuerst was sagt, hat verloren!

Einen kleinen Etappensieg hatte ich mit der Ausbreitung von Haarkram (zwei Haarbürsten, 1 Kamm inkl. langer Haare im Waschbecken) mit Kontaktlinsenkram (2 Döschen, eines zusammen gesetzt, eins in Einzelteilen und zwei Fläschchen mit Flüssigkeiten) und Tamponpapierchen rund ums Waschbecken, wo sie sich mit dem Rasierkram (Tube, Rasierer und Bartpulver) und Zahnputzkram (Zahnbürste und Zahnpasta) ein Rennen um jeden freien Zentimeter lieferten! Nach 2 Tagen fing der junge Herr von selbst an, alles aufzuräumen - wo ich natürlich, freundlich, wie ich bin, gleich mit gemacht habe.

Mein Hindernisarrangement mit allen Schuhen, die ich für die Party am Samstag ausprobiert und an Ort und Stelle vergessen hatte (zusammen mit dem Wasserkasten als Eingangshindernis und dem IKEA-Sack als Seitengebirge), hat leider verfrüht mit einem Unentschieden geendet: nach seiner Rückkehr am Sonntag gab es eine kleine Bemerkung, ob ich wohl gar nicht zum Aufräumen gekommen wäre (quittiert mit: hm? Ach, oh, stimmt...), am Montag gab es eine etwas verdrossene Bemerkung, ob jetzt noch mehr Schuhe dazu gekommen wären (Quittung: och? nö, glaub nich...), aber danach hab ich's vermasselt. Am Dienstag kam die Ankündigung einer spontanen Dienstreise von Mittwoch bis Freitag - nicht für mich. Und mit der Aussicht, mich durch meinen Eingangsparcours vor allem selbst zu nerven, konnte ich mir am Mittwoch Morgen eine Tirade nicht verkneifen (Haupttenor: er könnte ja jetzt dem Patriarchatsüberwindungsexperiment den Rücken kehren, ich müsste es aber noch 3 Tage umsonst ertragen!). Das Ergebnis war ein Teilsieg: wir haben zusammen die Schuhexplosion weggeräumt, er hat eine seiner Inseln (Roboter auf dem Wohnzimmertisch) beseitigt, und eine (Löt-/Roboterkrempel auf dem Basteltisch) zumindest dezimiert. Und es gab ein Eingeständnis, dass der Hindernisparcours am Eingang wahnsinnig auf die Nerven ging. Und eine kleine Diskussion über reverse discrimination, indem er jetzt sehr viel mehr macht als ich (kein Wunder, ich mache ja auch gerade gar nichts!).

Jetzt ist die Dienstreise doch noch nicht, und ich ärgere mich bisschen über mein Einknicken - aber ich habe dafür noch die gesamte Stoffverstreuung im Bastelzimmer und im Büro, die Zeitungsverstreuung im Wohnzimmer, die 2 neuen Packungen Socken, die den Waschbedarf noch hinauszögern, die Papiergebirge auf der Bank im Eingangsbereich und die Küche, wo ich weiterhin keinen Handschlag getan habe. Das reicht hoffentlich.

Ah, und gegen die Spuren in der Toilette ist mir ein gutes Pendant eingefallen: gebrauchter Tampon nicht runter gespült! Da gibt es für einen jungen Herrn wohl wenig ekligeres...

Und wenn mein Spiel hier gut ausgeht, mache ich eine Methode draus und überlege mir noch was für die Frau mit Kind(ern) in meiner Lage!

posted by Gisela Mittwoch, August 08, 2007


Sonntag, Mai 27, 2007

 
Betriebssysteme und Religionen

In dem Moment, als Microsoft das Programm Visio kaufte, fiel es mir auf:
Microsoft ist die katholische Kirche der Betriebssysteme. Riesengroß, riesenmächtig, sehr erfolgreich, Gegner bezwingend und sich alles brauchbare schnell einverleibend.

Nach diesem Gedanken hat es eine Weile gedauert, aber jetzt komme ich auf die Analogie zurück. Anlass war eine der absurden Diskussionen über die jeweiligen Vor- und Nachteile, die sich immer schnell wie Glaubensdiskussionen anhören - und genauso überflüssig und fruchtlos sind.
Da ich einen Fürsprecher für Apple Macintosh vor mir hatte, diese Art von Rechner und Betriebssystem noch nie ernst genommen habe, jetzt aber mit leiser Sorge beobachte, wie sich das System seit neuestem bei den Programmierern weiter verbreitet, fiel mir hierfür auf: das ist das Scientology der Betriebssysteme. Ein buntes Nischenprodukt, das sich bei den davon Überzeugten zu einer ernsthaften Weltanschauung auswächst.

Und von dem Gedanken aus war es nicht weit, das passende für Linux zu finden: Linux ist der Buddhismus der Betriebssysteme. Offen für alles, freundlich, bisschen ungewohnt im Zugang und von allen gemeinsam weiter zu entwickeln - dafür nach Marketing-Kriterien nicht so geleckt oder ausgefeilt wie die anderen.

Vielleicht fallen mir noch welche ein im Lauf der Zeit (Unix als ägyptischer Ursprungskult? BeOS als Zeugen Jehovas?)...

posted by Gisela Sonntag, Mai 27, 2007


Montag, April 16, 2007

 
Autofahren

Ich vermisse meine Autobahn.
5 Jahre lang bin ich bei Wind und Wetter, in Sonne und Regen, egal, ob's stürmt oder schneit, ca. 80-120 Mal pro Jahr auf der A45 und einem kleinen Stück der A5 auf und ab gefahren. Und seit einem Jahr ist es vorbei.
Ich habe viele Kurven, viele Hügel, viele Aussichten und viele schöne Himmelsansichten genossen. Ich habe meine eigenen Geschwindigkeitsrekorde immer mal wieder unterboten (BO-DA von Haustür zu Haustür 1,5 h), ich habe das Dieselsparen perfektioniert (Passat Bj. 2003: 5,5 l/100 km bei 122 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, diesem Rekord trauere ich heute noch hinterher, obwohl mein jetziges Auto nicht nur minimal 1,5 x so viel verbraucht, sondern auch ca. 3 x komfortabler und ein wenig schneller ist).
Als Alternative bei großen Hindernissen Richtung Süden gab es noch die B54 - eine nicht oft, aber wenn, dann mit viel Vergnügen genutzte Landstraßenstrecke mit den eindrucksvollsten Sonnenaufgängen über dem Westerwald. Alles sehr golden und sehr erhebend.

Von den Autobahnen kenne ich fast jedes Stück auch als Baustelle, ich hatte eine Weile auch überlegt, ein "Kennst du deine Autobahn"-Puzzle, wo man die Teile in die richtige Reihenfolge bringen muss, zu entwickeln. Das ist eher daran gescheitert, dass die Zielgruppe der speziell diese Autobahn oft Befahrenden wahrscheinlich über eine Handvoll Trucker und eine zweite Handvoll Wochenpendler nicht hinaus ginge. In diesem Zusammenhang ist auch meine Idee zu sehen, dass ich mir ein Forum gewünscht hätte, in dem Wochenpendler sich nach ihren Fahrten treffen können, um seltsame Erlebnisse zu bekakeln.

Auf der A45 habe ich meine ersten Erlebnisse mit soul-mates auf der Straße gehabt: unser längster Konvoi von ähnlich fahrenden umfasste auf einer Fahrt 4 Teilnehmer, von denen ich (mit Golf) das Küken war, das immer wieder zu den 3 Großen aufschloss (Passat? Audi?).
Auf der A45 habe ich auch meinen Führerschein zum ersten Mal wegen zu schnell fahren abgegeben - bis heute bin ich bestürzt darüber, dass "meine" Baustelle auf der hohen Talbrücke vor Herborn von einem Sonntag auf den anderen mit einem fest installierten Blitzer ausgestattet wurde, der meine Fuß-vom-Gas-bei-Geschwindigkeitsbeschränkung-Vorgehensweise so hart dokumentiert hat.
Und noch im vorletzten Winter hatte ich die Maximalanzahl von abenteuerlichen Schneefahrten (dank dem A6, Bj 2005, konnte ich manchmal sogar Schneepflug für mich selbst auf der unbefahrenen 3. Spur sein), eine komplette Tunnelfahrt über ca. 30 km auf leerer Autobahn, bei der ab irgendwann nicht klar war, wo oben, unten, rechts oder links war, eingeschlossen.

Ich bin sogar fast so weit gekommen, dass ich die beiden Richtungen ganz in Übereinstimmung gebracht habe, damit ist die Strecke ungefähr so heimatlich wie die über einen längeren Zeitraum, aber seltener gefahrene Strecke Erlangen-München geworden.
Und im gesamten Zeitraum sind die Funklöcher von eplus von gefühlten 20 (real schätze ich: 10) auf exakt 2 reduziert worden (eins kurz vor der Wasserscheide, eins bei der Abzweigung auf die A5), ein Dank an Mike für die Geduld - oder den hohen Gesprächsbedarf, der diese Dauertests ermöglicht hat.
Schön waren auch die Zeiten, als der Stefan noch das kurze Zubringerstück auf der A44 mit mir im Konvoi zu seinem Studentenwohnheim fuhr, und wir das voreinander her oder hintereinander weg fahren zu einer Verlängerung des Zusammenseins nutzen konnten.

Keine Autobahn, nicht die grässliche A3 zwischen FFM und BN, nicht die disziplinierte A1 zwischen BO und HH oder die wilde A3 zwischen FFM und ER wird mir so fehlen wie die A45.

Heute habe ich auf die Woche gerechnet ähnlich viele Kilometer, aber ich verteile sie auf alle Werktage mit der Strecke WI-DA. Und ich bin ganz tapfer dabei, die Anregung eines Freundes umzusetzen, die er als Stoßseufzer eines gemütlichen Autofahrers geäußert hat: Wenn diese so sicher so schnell fahrenden Raser doch langsam fahren würden - um wieviel mehr könnten Sie zur Deeskalation beitragen! Und das auf zwei Ebenen: indem sie den Stresslevel nicht mehr durch schnelle Annäherung an Langsamere erhöhen , und indem sie so viele Fahrfehler anderer Teilnehmer wie möglich durch ihre hohe Aufmerksamkeit ausgleichen.

Und ich bin froh über 2 halbe Stunden Telefonierzeit am Tag.
Und ich bin sehr froh über den erstaunlichen Zeitgewinn, der aus dem Wegfall der Hin-und-her-Fahrerei resultiert.

Aber - historische Verklärung - nicht einmal der Freitagabend-Stau auf der A5 von FFM bis Friedberg erscheint mir mehr so lästig, wie er mal war. Ganz zu schweigen von den verschiedenen Verstopfungen kurz vor dem Ruhrgebiet - an die kann ich mich kaum erinnern.
Übrigens: die in wirklich vielen Stunden mit verschiedenen Fahrzeugen und unterschiedlichen Füllungsgraden der Autobahn erprobte beste Reisegeschwindigkeit, die eine ideale Kombination von Verbrauch, Fortschritt und Entspannung ermöglicht, ist eine freiwillige Beschränkung auf 140 km/h im Sinne von nicht-höher-als.

Danke für mehr Frieden, aber auch danke für eine schöne Kulisse für die unruhigen Zeiten.

Die weiteren Exkurse über das Auto als Lebens-Gefährt/Gebärmutter und ein generelles Tempolimit schaffe ich jetzt nicht, vielleicht raffe ich mich noch dazu auf irgendwann. Und aus meinen Erfahrungen auf der Autobahn würde ich gerne eine Kolumne bei GQ machen...

posted by Gisela Montag, April 16, 2007


Donnerstag, Oktober 06, 2005

 
Foren und Ich, Teil IV (die vorherigen Teile waren oll und sind gelöscht):
Mehr Realität als Virtualität

Jetzt aber, auf speziellen Wunsch des Forumsbetreibers des Forums, in das ich mich sehr freudvoll eingefügt hatte, eine Zusammenfassung der letzten zwei Jahre im Schnelldurchlauf:
An Fakten haben wir
- ca. 3-4 Treffen pro Jahr (vierteljährlich dürfte hinkommen)
- 1 Ehe
- 1 Kind
- 1 Gallenblase weniger
- ca. 5-10 Eigenproduktionen der scherzhaften Nachsynchronisierung

Der letzte Eintrag war ca. 1 Monat vor unserem ersten Treffen. Danach haben zwei der Teilnehmer (ich und mein anarchisch-lustiger Österreicher Kollege) mit dem einzigen zu greifenden Beteiligten am Ursprung unserer Spaßgemeinschaft und dem Betreiber des Forums ein Treffen dort vereinbart, wo der Scherz herstammte (genauer gesagt: beim "Macher" zu Hause).
Es erschienen:
- 5 Siegerländer (Macher + Bandmitglieder, Betreiber und Mitbetreiber des Forums)
- 3 Österreicher (der Forumskollege und ein Sympathisantenpärchen)
- 2 Schwestern (ich und meine kleine Schwester, ebenfalls Sympathisantin)
- 2 Norddeutsche
- 1 Schwabe (harter Kern des Forums, und nahezu instantly Objekt der Begierde für meine Schwester und vice versa)

Und es hat auf Anhieb wunderbar funktioniert. Der Alkohol floss in Strömen, die rituellen Kräuter wurden zu Hauf verbrannt, die Gesprächsströme wollten auch nicht versiegen. Der Schritt von der virtuellen Gemeinschaft zur realen war geglückt!
Dem ersten Treffen folgten bald weitere, der Schwabe wurde bald Münchner, die Schwester wurde bald Mutter, die Synchronisationen mehrten sich, der Reigen ist schön und aller Voraussicht nach von Bestand (letzte Gelegenheit: Taufe des "Forumskinds", meiner entzückenden Nichte, in München).
Einige Teilnehmer kamen hinzu (2 Sauerländer Brüder, eine Norddeutsche), einige fielen weg (die 2 Norddeutschen), einige Teilnehmer aus dem Forum konnten sich nie zu einem Treffen überwinden, sind aber nach wie vor sehr aktive Forumsteilnehmer, einige Treffensteilnehmer sind nicht mehr so aktive Forumsteilnehmer (mich eingeschlossen) - kurzum: der Sozialverband ist tragfähig und eine Bereicherung aller Teilnehmer.

Das speziell schöne an diesem Verband ist die Herkunft aus dem Internet, in dem sich ohne Ansehen von Gestalt, Hindergrund, Situation eine Gruppe Gleichgesinnter in einem sehr speziellen Bereich zusammen gefunden hat, die sich auch "in echt" diese Freiheit von herrschenden Kriterien bewahrt, da Respekt und gegenseitige Achtung die Grundlage der Gemeinschaft bilden.
Hugh! Ich habe gesprochen.
Nächstes Treffen: Anfang November im Fränkischen (Nebeneffekt der geographischen Streuung der Teilnehmer: ausgedehntes Lern-deine-Heimat-kennen in Deutschland und Österreich, kann ich nur empfehlen!)

posted by Gisela Donnerstag, Oktober 06, 2005


Mittwoch, Juli 30, 2003

 
And now for something completely different,
was ich echt schon immer mal sagen wollte...

Geschlechterrollen

Eine Einteilung von Verhaltensweisen nach den sekundären Geschlechtsmerkmalen finde ich so willkürlich bzw. zutreffend wie alle möglichen anderen Kriterien, die einen Einfluss auf unsere Entwicklung haben (sollen): Geschwisterposition, Sternzeichen, Name, Schichtzugehörigkeit und was noch so heran gezogen wird...
Ich selber lande ja bei Umfragen immer wieder in der Männerkategorie, mein Partner bei den Frauen. Wir sind aber eine Frau bzw. ein Mann. Und haben da auch Spaß dran. Und natürlich habe ich ein paar Probleme mit Weiblichkeit (und die Gegenseite mit Männlichkeit), aber ich bin gerne eine Frau. D.h. ich mag meine primären und sekundären Geschlechtsmerkmale und einen Teil des Rollenverhaltens gerne. Ich mag nur nicht die Striktheit und die Annaheme einer Naturgegebenheit, wenn es sich meiner Meinung nach mehr um kollektiv verinnerlichte Normen bzw. kollektive soziale Vererbung handelt. Der Ursprung mag ja in irgendeiner Natürlichkeit gelegen haben, aber mittlerweile haben wir uns so weit von diesen vermeintlichen Sachzwängen entfernt, dass es Schwachsinn wäre, auf Biegen und Brechen daran festhalten zu wollen (hmm, woher kommen eigentlich die ganzen Rückenprobleme...?).
Der sichtbare Gipfel dieser Striktheit in der Rollentrennung ist für mich das Umoperieren von Transsexuellen, die ihrem inneren Gefühl den äußeren Körper anpassen - und ich frage mich schon immer, ob das wirklich nötig wäre, wenn jede Frau so männlich und jeder Mann so weiblich sein dürfte, wie er/sie will?
Aber wenn das jetzt die letzten paar tausend Jahre so zementiert wurde, brauchen wir natürlich die nächsten paar tausend Jahre, um es los zu werden. Also wieder einmal: Eile mit Weile! Das wird dann schon irgendwann...

posted by Gisela Mittwoch, Juli 30, 2003


Donnerstag, Juli 03, 2003

 
Meine Handtasche und meine Ämter

Ich habe meinen bisherigen Geldbeutel - gekauft im turbulenten letzten Sommer in Venedig - für verloren erklärt. Leider habe ich eine komplette Gedächtnislücke, wenn ich darüber nachdenke, wann und wie. Ich weiß, wann ich ihn noch hatte, und dann weiß ich, dass ich ihn nicht mehr hatte und er "eigentlich" in meiner Wohnung sein müsste. Da "in meiner Wohnung" so ungefähr jeden un-/denkbaren Ort einschließen kann, habe ich aufgegeben. Ich war so freundlich, meine Geldangelegenheiten genau an diesem Tag separat vom Geldbeutel aufzubewahren. Das heißt, ich habe "nur" einen Führerschein, einen Perso und eine Krankenkassenkarte verloren. Das hatte zwei Erlebnisse zur Folge:

Das Handtaschen-Erlebnis und das Ämter-Erlebnis

Also erst die Handtasche. Das Erlebnis zieht sich zwar, aber es hat zuerst angefangen. Ich hatte, nachdem ich den Geldbeutel aufgegeben hatte, beschlossen, dass ich zumindest für den Sommer, aber eigentlich auch meinem Alter entsprechend im allgemeinen, eine Handtasche brauche. Und das sollte ein Wolpertinger werden, geeignet für Beruf (streng-konservativ) und Freizeit (schrill) und praktisch. Geformt sollte sie sein ein bisschen längs, der Henkel sollte auf alle möglichen Längen einzustellen sein und gegen den Regen sollte sie eine Klappe über dem ganzen haben. Die meisten Verkäuferinnen haben gesagt: gibt's nicht (ich war in echten, reinen Handtaschengeschäften, naja, zumindest einem). Die Läden hatten nur komische teure unpraktische Quer-Dinger. In Mailand und Rom - wo ich zufällig nach dem Entschluss war, gab's nur bunte Sack-artige Angelegenheiten. Am Flughafen von Rom habe ich eine passende gesehen, aber da hatte der Laden zu. Was soll ich sagen: ich habe eine im WALMART (meinem Lieblingsladen) gekauft. Und ALLE finden sie hässlich. Die, die mich nicht verletzen wollen, sagen "oh, ja, so wie du sie wolltest, nicht wahr?" oder "ach ja, ist halt 'ne normale Tasche" - die, die bisschen direkter sind, sagen "boh, nee, die geht ja gar nicht!" oder "'praktisch' ist aber auch das einzige, was man dazu sagen kann!". Auch der Stefan war bisschen erschrocken (zum einen über das Einläuten der Handtaschen-Ära, zum anderen über die Hässlichkeit). Aber als er gehört hat, dass meine Mitbewohnerin sie unter aller Sau hässlich fand, hat er 1. Mitleid mir mir und meinem armen Gossen-Geschmack bekommen, aber 2. noch viel mehr Mitleid mit dem armen hässlichen Entlein von Tasche! Also, er hat beschlossen, dass sie ganz schön und nützlich ist. Was ich wirklich nett finde.
Ich habe sie natürlich zum einen testweise gekauft, weil ich mich dann lieber schrittweise an das Handtaschen-Zeitalter gewöhnen wollte. Zum anderen hat sie den "Nilou-Charme", genau wie mein erstes Paar Schuhe für die Arbeit (schade, dass sie doch den Weg alles Irdischen gegangen sind, ich hätte sie ewig behalten mögen!). Das ist ein leicht clumsy, tres 70ies, auf eigene Weise chiquer und komplett zeitlos-unabhängiger Style. Den ich echt gern mag.

So habe ich jetzt eine charming-doofi Handtasche und alle Dinge, die rein gehören, finden ihren Platz darin.
Und jetzt musste ich mich daran machen, einen Führerschein zu beschaffen (wg. Spontanaufenthalt in Italien mit Mietwagen) - Das ging in ca. 4 Schritten:
1. Webseite von Bochum anklicken, Telefonnummer vom Führerscheinamt nachschauen, 25 Min. warten, dort anrufen und eine kleine Liste von Sachen genannt bekommen, die ich dafür haben muss (Abschrift vom Führerschein in Fürth, Passbilder, Geld, Perso/Pass).
2. Der gedanklich schwierigste Teil, einen Fürther Stadtangestellten davon überzeugen, dass ich diese Abschrift gefaxt bekomme, hat sich als Elefant aus der Mücke herausgestellt: Während er meine Daten am Telefon bestätigt hat, hat er das Teil ausgedruckt und mir die Faxnummer entlockt - zack! 2 Minuten später hatte ich das.
3. Der längste Schritt: unansehnliche Passfotos aus dem Automaten holen. Am längsten, weil der Mechaniker, der zufällig anwesend war, als der Automat mein Geld geschluckt hatte, ohne mir Fotos zu geben, mich nicht einfach so weg lassen wollte, zum Alternativautomaten, ohne den Rechner im Automaten 2 mal neu zu starten um ihn danach zu umgehen... nachdem er mal eben versucht hat, Türkisch mit mir zu sprechen wegen meines leicht fremdländischen Aussehens (aber ohne Angraben, also schon okay).
4. Wieder ein Elefant, der sich als Mücke entpuppte: Ich stapfe bewaffnet mit einer dicken Zeitung zur Führerscheinstelle, frage, wo ich hin muss, erhalte freundlich Auskunft, gehe zur angegebenen Stelle, wo niemand wartet, klopfe zaghaft und traue mich nicht, einfach einzutreten, werde hereingebeten (ich hätte rein gehen dürfen), und bekomme 7 Minuten später einen vorläufigen und einen internationalen Führerschein.

EINFACH SO! Ohne hilflos-wütende Verzweiflung, ohne Tränen, ohne übermäßig wiederholte Anläufe (einmal war ich vergeblich da, weil ich meinen Pass vergessen hatte, aber da hab ich dann mit dem Stefan gefrühstückt zum Trost).
Das war sehr schön. Ich habe dem Mann in Fürth ein Bedankmich-Fax geschickt und der Frau in Bochum einen mini-Beitrag zur Kaffeekasse da gelassen (5 Euro war schon nicht erlaubt).

Wenn das beim Perso auch so schön geht, freut es mich!

Update 4 Jahre später: Die Handtaschen-Ära ging auch wieder zu Ende - ich fand, meine schmerzende Schulter kam erst nach dem Einläuten derselben und ich wollte alle äußeren Einflüsse für Muskelschmerzen in der Schulter eliminieren bevor ich weitere Schritte unternehme. Was soll ich sagen? Ich bin kein Handtaschentyp, der Schulter geht's wieder prima und meine Hosentaschen beulen sich aus...

posted by Gisela Donnerstag, Juli 03, 2003


Dienstag, Juni 17, 2003

 
Das Schundromanorakel

Es gibt Schundromane. Die mit diesen unsäglichen Einbandgestaltungen, die "man" deswegen kaum anfassen kann, aber doch hin und wieder mit Vergnügen liest. Mit Vergnügen vermischt mit Kopfschütteln über den eigenen schlechten Geschmack und den offensichtlichen Spaß am billigen Vergnügen (hm, wie Männer beim Pornokonsum? Siehe NB).

NB: Diese Schundromane sind die Porno-Industrie für Frauen. Die meisten Schundromane sind erfolgreich, weil sie mehr oder weniger explizit hot sex enthalten. Und wie bei der bebilderten Porno-Industrie für Männer, gibt es die getexteten Pornos für Frauen in allen Abstufungen, von soft über harcore bis hin zu brutal und abartig. Und alles zwischen diesen blumigen Buchdeckeln... gute Tarnung!

Das war aber nicht mein eigentliches Anliegen. Ich habe bis jetzt in meinem 34-jährigen Leben vielleicht 15-20 von diesen Schundromanen gelesen. Und bei den letzten 5-7 ist mir aufgefallen, dass diejenigen, die ich im Laden, bei Freundinnen oder sonstwo raus ziehe, immer relativ genau zu meiner momentanen Lebenssituation oder den Dingen, die mich beschäftigen, passen. Zum Beispiel bin ich gerade dabei, meine Schwestern-Beziehung zu durchleuchten bzw. zu überarbeiten, und ZACK! gibt es in meinem Schundroman (der erste der Sorte "brutal", ich war bisschen schockiert) drei Schwestern mit ihren unterschiedlichen Lebensläufen und Charakteren, in denen ich eine unserer Konstellationen durchaus wiedererkennen konnte (drei Schwestern sind nicht so häufig in der Schundroman-Welt, die besteht schon hauptsächlich aus dem maigschen Dreieck von Heldin, Held und Schurke).
Der Schundroman davor handelte von zwei Menschen, die schon in einem früheren Leben mal sehr verbunden waren und diese Verbindung quasi wiederentdecken - das kam genau zu der Zeit, als ich mit meiner Beziehung und ihrer Endgültigkeit sehr beschäftigt war, als Zusatz ging's um mittelalterliche Handschriften (mag ich sehr) und Schätzung von Unschätzbarem (hatte ich auch gerade da als neues Problem, ich muss ein sehr spezielles 70er-Jahre Armband irgendwo schätzen lassen).
Die Reihe lässt sich fortsetzen, aber das ist natürlich wie alle Orakel ein Selbstläufer: ich finde immer die Verbindung zu meinem jetzigen Leben, egal ob es Tarotkarten (da hab ich auch sensationelle Treffer), Horoskope (na gut, die sind eh immer recht allgemein passend) oder eben Schundromane sind. Nur dass Schundromane meiner Meinung nach am ausführlichsten und IMMER gut aufgelöst sind! Großer Vorteil vor allen anderen Orakeln.

posted by Gisela Dienstag, Juni 17, 2003


This page is powered by Blogger. Isn't yours?