Sie geht. Nach jedem Schritt sieht sie sich um und lächelt.
Ihre Aura umfließt sie mit tiefdunklem Purpur und entrückt ihr die
Welt. Ihre Schritte sind ein Tanzen, ihr Lächeln ist ein Singen, ihr Blick
ist ein sanftes Streifen. Sie geht, um ihren Entschluss zu erleben. Sie wird
ein Löwenkind. Sie wird Gazellenkinder fressen und mit deren Augäpfeln
in der Sonne spielen. Andere werden ihr das Blut aus dem Fell lecken und dabei
Gazellenwitze reißen.
Durch Löwenaugen wird die Welt viel schärfer und bunter. Sie sind
ein Sieb für Blendwerk. Unwichtiges verliert seine Existenz, so als ob
es nie in irgendwessen Sinne gefallen wäre.
Durch ihre Wahrnehmung allein wird sie erwachsen. Sie genießt ihre Jugend
und freut sich auf ihre Reife. Eine Löwin kennt ihre Kraft, ihre Schnelligkeit
und ihren Lebensplatz. Jeder Grashalm hat seinen Klang und Namen. Jede Gazelle
hat ihren Witz.
Löwen haben keine Feinde, denn jeder kennt ihr Gebiss. Das macht ihr Dasein
so ehrlich und unverfälscht. So wird ihr Blick so klar und bezwingend.
Sie erahnt diese Macht schon, obwohl sie noch so jung ist. Jetzt vergnügt
sie sich noch auf dürren Affenbrotbäumen und springt metertief ins
hohe Gras. Ihre Tatzen drücken weiche Mulden in den Boden und beweisen
ihr ihr Löwenleben.
Dass sie einst Mensch war, lässt sich nur an ihrer purpurnen Aura erkennen.
Und daran, dass sie immer noch tanzt, singt und berührt anstatt zu gehen,
zu lachen und zu sehen.
Das hat meine Schwester Sophia 1996 für mich geschrieben und es gefällt mir immer noch so gut, dass ich es als Unter-Intro nehmen möchte.